Composition de Swing

      L’Édition Musique No.2: Geldermann Chef de Cave Marc Gauchey und Boogie Belgique im Interview

      Breisach, Juni 2020

      Marc, was hat Musik mit Sekt gemeinsam?
      Musik hat schon immer mit Sekt zu tun gehabt. Sekt bringt ebenfalls Töne hervor, man kann die Perlage, die unzähligen kleinen Bläschen im Glas, hören. Beides löst Emotionen aus und spricht die Sinne an. Nicht immer zur selben Zeit oder in der gleichen Situation. Ich denke, hier gibt es viele Ähnlichkeiten und Parallelen.

      Wie würdest Du jemandem das Projekt erklären, der noch nie davon gehört hat?
      Das ist ganz einfach: Die gemeinsame Basis ist die Kreativität. Wir suchen Parallelen zwischen dem Sekt und der Kunst, der Musik oder der Literatur. Wir lernen uns kennen und erfahren, wie der Schaffensprozess beispielsweise in der Musik ist. Wie läuft es dagegen bei uns? Was gibt es für Arbeitsschritte? Diese Schritte sind sicherlich in manchen Punkten verschieden, aber der Prozess ist am Ende oft sehr ähnlich. Der Weg ist das Ziel, denn im Schaffensprozess inspirieren wir uns gegenseitig, und am Ende des Projekts entstehen gleich zwei wunderbare Produkte: eine einzigartige Cuvée und ein einzigartiges Musikstück, die beide miteinander harmonieren.

      Glaubst Du, es ist überhaupt möglich, einen Sekt in Musik zu übersetzen?
      Ich würde es weniger übersetzen nennen, als vielmehr aneinander angleichen. Ich vergleiche das gerne damit, wie verschiedene Instrumente innerhalb eines Orchesters zu einem harmonischen Klang gestimmt werden. Genauso können wir auch die Musik an den Sekt angleichen. Das fühle ich, wenn ich die Musik höre und gleichzeitig den Sekt schmecke.

      Boogie Belgique, wenn Ihr als Musiker die Bläschen in einem Glas Sekt betrachtet, seht Ihr dann einen Rhythmus darin?
      Oswald Cromheecke: Ja, ich denke, die Sekt-Bläschen würden bestimmt zur Rhythmik einiger unserer Songs passen. Wenn wir mit Boogie Belgique live spielen, werden auf das Backdrop der Bühne hinter uns abstrakte Bilder projiziert. Diese Visuals sind mit der Musik synchronisiert und verstärken die Gefühle, die man durch die Musik empfindet. Bilder der Perlage würden in einer Boogie-Belgique-Show großartig funktionieren!

      Wir würdet Ihr Euren besonderen Musikstil beschreiben?
      Martijn Van Den Broek: Diese Frage ist für uns immer schwierig zu beantworten, da die Musik von Boogie Belgique sehr eklektisch ist. Es ist nicht leicht, sie einem einzigen Genre oder einem bestimmten Stil zuzuordnen. Wir möchten aber immer die gleiche nostalgische Kontinuität in all unserer Musik haben. Diese Nostalgie findet sich genauso in einem Electro-Track, der auf der Tanzfläche gespielt wird, wie in einem langsameren Triphop-Track, den man im Wohnzimmer hört.

      Marc, was inspiriert Dich als Chef de Cave bei Geldermann für Deine Cuvées?
      Für meine Cuvées inspiriert mich zuerst einmal die Geschichte von Geldermann, aber auch das Hier und Jetzt. Aus unseren französischen Wurzeln, der langen Tradition und der Historie des Hauses entwickelte sich der typische Geldermann-Geschmack. Aus der Vielfalt unserer Weine komponiere ich Jahr für Jahr Cuvées, die immer wieder genau diesen Geschmack treffen, und doch hat jede Cuvée ihren besonderen, unverwechselbaren Charakter und eigene Stilistik.

      Und wo findet Ihr Eure Inspiration für die Musik?
      Oswald: Schon in meiner Kindheit haben mich meine Eltern mit einer großen Vielfalt an Musik vertraut gemacht. Swing-Jazz aus den 1930er und 40er Jahren ist bei mir irgendwie hängen geblieben. Vor allem war ich war schon immer ein Fan von Big Bands. Duke Ellington & His Orchestra, Count Basie, Sidney Bechet, Benny Goodman und viele andere. Auch alte Film-Soundtracks wie Bernard Hermanns “Vertigo” oder die Ouvertüre von “Jungle Book” haben mich fasziniert.

      Swing ist eher eine nostalgische Musikrichtung, Electro dagegen sehr modern und jung. Fasziniert Euch die Kombination von Tradition und Moderne?
      Oswald: Nostalgie an sich hat mich schon immer interessiert. Meistens können die Menschen nicht beschreiben, worum es sich bei ihrer Nostalgie handelt. Manchmal sehnen sie sich nach einer Zeit, die sie nie erlebt haben oder die es gar nicht gab. Als ich mit der Musikproduktion begann, suchte ich immer nach einem bestimmten Gefühl in einem Song. Eine besondere Mischung aus Melancholie und Freude, die schwer zu beschreiben ist. Alte Musik zu samplen, war für mich am Anfang der perfekte Weg, das zu erreichen. Kombiniert man sie mit Einflüssen aus unserer eigenen Zeit, erhält man etwas ganz Neues. Und das ist es, was wir mit Boogie Belgique erreichen wollen.

      Und seht Ihr dabei auch Parallelen zu Geldermann?
      Emily Van Overstraeten: Ja, sehr sogar. Marc baut auf der Vergangenheit Geldermanns auf und fügt neue Elemente und moderne Geschmacksnuancen hinzu. Ich denke, es ist auch eine große Verantwortung, etwas Neues und Frisches mit angestammten Zutaten zu kreieren und gleichzeitig die Geschichte und Tradition dahinter zu respektieren.

      Somit gibt es durchaus Gemeinsamkeiten, aber wo siehst Du denn die Unterschiede im Schaffensprozess, Marc?
      Wir beide komponieren ein Produkt. Der Unterschied ist allerdings, dass ich alleine kreativ sein muss, um meine Cuvées zu komponieren. Bei der Musik von Boogie Belgique arbeitet jeder in der Gruppe auf seine Art und Weise kreativ an der Komposition mit, und die verschiedenen Meinungen haben am Ende das fertige Ergebnis beeinflusst. Diese Zusammenarbeit, unterschiedliche Geschmäcker und Meinungen zu einem harmonischen Song zusammenzufügen, macht die Qualität der Musik aus. Auch ich brauche immer wieder einen Sparringspartner, mit dem ich mich austauschen kann.

      Wo seht Ihr als Band die Parallelen zwischen Marc und Euch als Musiker?
      Cedric Van Overstraeten: Obwohl wir uns bisher noch nicht lange gesehen haben, hatten wir eine tolle Zeit mit Marc. Ich denke, wir sind alle leidenschaftliche Perfektionisten, die immer nach dem besten Ergebnis streben, während wir unsere Arbeit tun, die uns absolut Spaß macht.

      Was hat Euch an Geldermann gereizt, so dass Ihr ein Lied für die Édition Musique komponieren wolltet? Fühlt es sich anders an, etwas für Geldermann zu schaffen?
      Oswald: Wir haben uns sehr gefreut, als wir hörten, dass wir einen Song für Geldermann schreiben können. Es ist immer toll, ein Lied aus einem bestimmten Grund oder mit einer besonderen Bedeutung komponieren zu können. Wir waren sofort überzeugt von der Idee und vom Produkt. Geldermann passt einfach ideal zu unserer Musik.

       

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